RÜCKKEHR DER BESODEREN ART FÜR ANGELIQUE KERBER

Rückkehr der besonderen Art: Angelique Kerber erlebt in Down under ihr Déjà-vu

Die elektrisierende Rod Laver Arena, der nicht enden wollende Applaus, das Blitzlichtgewitter der Kameras – Angelique Kerber fühlte sich an diesem australischen Sommertag mit einem Mal wie eine Zeitreisende. Zurückversetzt ins Jahr 2016, als sie an exakt gleicher Stelle Tennisgeschichte geschrieben hatte. Seit diesem 30. Januar vor zehn Jahren ist ihr Leben unterteilt in ein Davor und ein Danach. Wie es ebenso ist, wenn man seinen ersten und lang ersehnten Grand Slam-Titel holt.  

Angelique Kerber in Melbourne im „Team World“ aktiv

All die unglaublich vielen Erinnerungen und Emotionen von damals waren wieder da. Dieser Titel hier hat alles verändert. Es hat sich sehr speziell angefühlt“, schwärmte Kerber, die vor den Halbfinals der Damen auf dem Centre Court in der Rod Laver Arena mit einer stimmungsvollen Zeremonie für ihre Erfolge geehrt worden war.

Die 38-Jährige, inzwischen zweifache Mutter und dem Tennissport weiterhin eng verbunden, ist auf und neben den Courts dieser Welt immer noch ein sehr gern gesehener Gast. Auch in Melbourne: In der zweiten Turnierwoche nahm Kerber an der Seite von ehemaligen Ausnahmeprofis wie Andrea Petkovic und Tommy Haas am sogenannten Legends Cup teil und war das Herzstück des „Team World“, das sich gegen das „Team Australia“ mit Sam Stosur, Pat Rafter & Co. behauptete. Der Signature Schlag von Kerber, die Vorhand longline als Winner, sitzt noch immer.

Am Rande der Australian Open führte die ehemalige Nummer eins des WTA-Rankings in ihrerFunktion als Sportdirektorin der Bad Homburg Open powered by Solarwatt auch etliche Gespräche.

Die Bad Homburg Open powered by Solarwatt als „Herzensprojekt“

Für das Rasenturnier im geschichtsträchtigen Kurpark, das bedeutendste Event in der Vorwoche von Wimbledon, war sie bereits während ihrer aktiven Profikarriere als Turnierbotschafterin aktiv. Es ist ihr „Herzensprojekt“, wie Kerber gerne betont. Von den ersten vagen Planungen über die Premiere der Bad Homburg Open 2021 bis hin zur Aufwertung zu einem WTA 500 Tournament hat die dreimalige Major-Gewinnerin alles hautnah miterlebt.      

Einige Topspielerinnen, die beim ersten Major des Jahres in Melbourne aufschlugen, wird sie spätestens in Bad Homburg wiedersehen – und dort dem Turnierchampion die Trophäe überreichen. Ihren eigenen Australian Open-Siegerinnenpokal übrigens hat Kerber in ihrer Tennis Academy in Puszczykowo stehen. Das gute Stück ist eine rund zehn Kilogramm schwere Erinnerung an zwei verrückte Wochen im Januar 2016, an deren Ende für sie so etwas wie die sportliche Unsterblichkeit stand: Grand Slam-Champion! Endlich geschafft!

Verrücktes Melbourne 2016: Matchball abgewehrt und dicke Beule

Dabei hatte Kerber nach der ersten Runde eigentlich schon fast im Flieger Richtung Heimat gesessen. In der Auftaktrunde hatte sie als Nummer sieben der Setzliste gegen die damalige Weltranglisten-64. Misaki Doi im Tiebreak des zweiten Satzes einen Matchball gegen sich. „Es war ein Schlüsselmoment für den weiteren Turnierverlauf. Misakis Return nach meinem Aufschlag landete im Aus“,erinnert sich Kerber an die bangen Sekunden, von denen es in Melbourne 2016 einige gab: Kurz vor den Australian Open fiel Kerber mitten in der Nacht eine Holzlatte aus der Deckenverkleidung auf den Kopf, was sie erst Jahre später in ihrer Biografie „Eine Frage des Willens“ öffentlich machte.

Ich hatte wirklich Panik“, erzählte sie, „weil ich zuerst dachte, jemand sei im Hotelzimmer“. Eine dicke Beule blieb zurück, „die aber niemand bemerkte, weil ich sie unter meinen Haaren versteckte“. Den Rest der Nachtverbrachte die Wimbledonsiegerin von 2018 mit dem Kopf am Fußende, weil sie der Deckenverkleidung nicht mehr traute.

Die kleine Ewigkeit nach dem ersten Major-Triumph bleibt unvergessen

 

Es war kein schlechtes Omen. Im Gegenteil: Gut zwei Wochen später stand sie im Finale gegen Serena Williams, die vielleicht beste Spielerin aller Zeiten. Kerber gewann vor 14.500 Zuschauern mit 6:4, 3:6, 6:4. Die Bilder ihres Jubels gingen um die Welt. Sie warf den Schläger weg, ließ sich auf den Rücken fallen, fing an zu schluchzen und schlug die Hände vors Gesicht. „Alles um mich herum wurde still. Es waren nur Sekunden, aber es fühlte sich an wie eine kleine Ewigkeit. Meine kleine Ewigkeit“, beschreibt Kerber die unvergesslichen Momente.